Wien 10.7.2018 Kino


Immer wieder etwas Vergnügliches einplanen. Zum Beispiel endlich Kino mit den Film „Auf der Suche nach Oum Kulthum“.
Oum Kalthoum war eine Diva, wie es in der arabischen Welt keine zweite gibt. Bereits als Kind lernte sie von ihrem Vater, einem strenggläubigen Imam, das Singen. Als dieser ihren Auftritt vor männlichem Publikum nicht mehr mit seinen religiösen Werten vereinbaren konnte, trat sie in Jungenkleidung auf. In den 1920er Jahren verschaffte ihr der Scheich Zakariyya Ahmad erste Engagements in Kairo, wo sie Gesangsunterricht nahm und das Spiel der Oud erlernte. Die 1940er und 1950er Jahre wurden ihr goldenes Zeitalter. Ihr Tod am 3. Februar 1975 wurde weltweit betrauert und erlangte sogar politische Bedeutung.
Oum Kalthoum wurde bereits zu Lebzeiten als Künstlerin vergöttert, und das nicht nur in ihrer Heimat Ägypten. "Über ihr steht nur der Koran", befand der Journalist Mustafa Amin. Durch die Kraft ihrer Stimme und ihres Gesangs in arabischer Sprache gelang es ihr, die Grenzen zwischen den Völkern zu überwinden. Vom ägyptischen Straßenkehrer bis zu Präsident Nasser, von arabischen Gastarbeitern in Frankreich bis zum Präsidenten de Gaulle, von Maria Callas bis Maurice Chevalier, arabischen Prinzessinnen und Bäuerinnen ebenso wie den Arbeitern bei Renault - sie vermittelte allen, die ihr zuhörten, mit der ihr eigenen Mischung aus Anmut und Leidenschaft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Stolzes. Ihr Gesang von Gott, Liebe und Heimat war der Kitt für die nationale Einheit des ägyptischen Volkes. Oum Kalthoum war eine Pionierin, die sich als Frau und Künstlerin in der orientalischen Welt durchsetzte und deren unvergessliche Stimme so auch im Westen gehört wird.(Text der Artedoku)
Im Film über Oum Kalthoum von Shirin Nesrat erfahre wir von einer Demonstration im Jahr 1914 von ägyptischen Frauen, wahrscheinlich aus der Oberschicht, für ihre Rechte. Ich war erstaunt.
Wikipedia scheibt dazu: Die Anfänge der Frauenbewegung in Ägypten gehen auf das späte 19. Jahrhundert zurück. Während die ersten Akteurinnen Frauen der Mittelklasse waren, in deren publizierten Werken sich erstmals „feministisches Bewusstsein“ in Ägypten widerspiegelte, so interessierten sich im Zuge islamischer Erneuerung (Muhammad Abduh), säkularer Modernisierung und aufkommenden Strebens nach nationaler Einheit zunehmend auch Männer für die Stellung der Frau. 1899 publizierte Qasim Amin sein Buch Die Befreiung der Frau, in dem er auf religiöser Argumentationsbasis für eine Reform der Geschlechterverhältnisse plädierte. Erste Formen feministischen Aktivismus (soziale Projekte) sind im frühen 20. Jahrhundert zu beobachten. 1911 diskutierte das ägyptische Parlament erstmals eine Proklamation der Frauenrechte, die von Malak Hifnī Nāsif verfasst worden war. Ab 1923, als Huda Scha’arawi die erste feministische Organisation Egyptian Feminist Union (EFU) gründete, begannen Frauen sich zu organisieren und drangen offensiv in die Öffentlichkeit vor.
In Shirin Nesrats Film wünschte ich mir mehr Nähe zur Person Omm Kalthoums. Ich würde gerne mehr nachempfinden können, wie sie die Menschen berührt hat, egal ob Mann oder Frau, ob jung oder alt, ob König oder Revolutionär. Der Schmelz ihrer Stimme, der die ungestillte Sehnsucht und die unerfüllte Liebe, in ihren ZuhörerInnen zum Klingen brachte und die die Liebe ins Unpersönliche, ins Spirituelle transformierte. 

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Hermine Brzobohaty-Theuer | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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