Wien 21.11.2021 Museumspolitik


Ich frage mich, ob die Haltung der Gestaltung von Ausstellungen in Museen den Zeitgeist widerspiegelt oder hinterherhinkt.
Vorauseilen tut sie sicher nicht.
Immer wieder ist das ein Thema für mich seit, ja, seit ich in der Lage bin in Museen zu gehen. Klar, da gab es dann die zweite Frauenbewegung in den 70er Jahren. Frauenmuseen wurden gegründet. Beispielsweise in Wiesbaden. Aber sollten Museen nicht die Kultur und das Leben von der gesamten Gesellschaft in ihren Geschlechtern abbilden. Ja, eh klar, es waren meist Männer die Expeditionen leiteten, finanzierten und Objekte in die Hauptstädte Europas brachten und als Sammler verewigt wurden. Es wird verborgen, dass etliche Frauen wagemutig waren und in die Welt gingen. In Krinolinen auf Kamelen saßen wie Ida Pfeiffer (Foto oben) und als Mann verkleidet in die „verbotene Stadt“ reistenwie Alexandra David Néel (1868 – 1969) (Foto 2).
Die aus Wien stammende Ida Pfeiffer (1797 -1858) wird als erste Frau genannt, die alleine um die Welt reiste. Bis zu ihrem Tod unternahm sie viele Reisen nach Ägypten, Brasilien, China, Indien und Tahiti. Sie brachte selbstpräparierte Pflanzen und Tiere für die Naturaliensammlungen mit. 1852 besuchte sie als erste Weiße die als Menschenfresser geltenden Batak in den Dschungeln von Sumatra. 13 Bände umfassen ihre Reiseberichte. Habe ich zitiert aus: https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/ida-pfeiffer/ Gabriele Habinger (KSAnthropologin Uni Wien). Zurück zum Museum. Die Archäologin Marija Gimbutas schrieb: „Ich habe die Göttin, sprich Frau, (bei den Grabungen) nicht gesucht, ich habe sie gefunden.“ Mir ging und geht es leider nicht so. Ich habe sie im Museum gesucht, aber meist nicht gefunden. Sei es bei Ausstellungen über Pharaon*innen, über Syrien, über den Ötzi (der war erstaunlicherweise frauenlos), und, und, und.
Nachdem das Museum in Wien, das früher Völkerkundemuseum hieß und jetzt Weltmuseum heißt, 3 Jahre lang renoviert wurde und mit einem großen Fest 2017 wieder eröffnet wurde, dachte, erhoffte ich auch vom Geist her etwas ganz Neues. Ich war beim ersten Besuch unbefriedigt. Es wird mir auch schnell zu viel, gebe ich zu. Kürzlich bin ich einer Einladung ins Weltmuseum zu der Ausstellung Re:present https://www.weltmuseumwien.at/ausstellungen/represent/ gefolgt. Untertitel: Unlearning Racism. Diese Ausstellung zu diesem brisantem Thema fand ich toll. Ein neuer Wind. Aber leider, als ich jetzt wieder ins Weltmuseum ging, und mir mehr ansah, hat sich die Enttäuschung wieder eingestellt. Es ist frustig, wie das Tätigsein und  Teilhaben von Frauen an der Welt vernebelt wird und nicht aufscheint. Die Chancen werden verpasst und ich finde die Präsentationen leider nicht so spannend, wie sie sein könnten. Als Trost gibt es eine Sonderausstellung über Alma M. Karlin, Autorin und Weltreisende (1889-1950). Titel “ Einsame Weltreise“. Sie war eine der meistgelesen Reisejournalistinnen in der Zwischenkriegszeit und Selma Lagerlöf schlug sie sogar für den Nobelpreis vor.

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Hermine Brzobohaty-Theuer | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Adresse: 1060 Wien, Windmühlgasse 14 | Tel.: +43 (01) 715 46 28

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