Wien 13.7.2018 Schreibende Nöstlinger

Seit vielen Jahren lese ich Christine Nöstlinger. Ihre Kinderbücher und auch anderes wie " Iba de gaunz oamen Frauen". Schon Ende der 70er habe ich mich von ihrer Sprache erkannt gefühlt. Wenn sie beispielsweise schreibt, wie in einem Wiener Gemeindebau, am selben Wochentag um halb eins zu Mittag, alle Hausfrauen am gleichen Küchenblock den gleichen Spinat aus dem Packerl kochen. (und ich im 8 Stock in der Küche eines fast Gemeindebaus stehe) Vielleicht hatte das eine der notwendigen Sprengkräfte aus der Enge konservativer Zwänge auszubrechen. Und sie hat vielleicht für viele die richtigen Worte gefunden. DANKE Christine Nöstlinger!

Wien 11.7.2018 mehr Energie


Wenn ich mehr Energie hätte, dann…..
Dann würde ich einen spannenden Blog Beitrag schreiben. Aber so….
Bin weitgehend müde und habe kleine Energiefenster. Und doch tut es so gut, quasi der Kreativität einen Spielraum zu geben. Bislang führte das zu Möbelumstellungen in zwei Zimmern und ein paar Fotos im Garten. Das andere spielt sich derweilen im Kopf ab. Ein wunderschönes rotes Kleid wurde genäht, die Bilder sortiert und mit den Gedichten verbunden. Eine Kurzreise nach Znojmo ins Archäologische Museum und nach Brno ins Anthropos Museum genossen. Eine gute Übersicht über die Texte durch Archivierung ermöglicht. Alles sehr befriedigend!
    

Wien 10.7.2018 Kino


Immer wieder etwas Vergnügliches einplanen. Zum Beispiel endlich Kino mit den Film „Auf der Suche nach Oum Kulthum“.
Oum Kalthoum war eine Diva, wie es in der arabischen Welt keine zweite gibt. Bereits als Kind lernte sie von ihrem Vater, einem strenggläubigen Imam, das Singen. Als dieser ihren Auftritt vor männlichem Publikum nicht mehr mit seinen religiösen Werten vereinbaren konnte, trat sie in Jungenkleidung auf. In den 1920er Jahren verschaffte ihr der Scheich Zakariyya Ahmad erste Engagements in Kairo, wo sie Gesangsunterricht nahm und das Spiel der Oud erlernte. Die 1940er und 1950er Jahre wurden ihr goldenes Zeitalter. Ihr Tod am 3. Februar 1975 wurde weltweit betrauert und erlangte sogar politische Bedeutung.
Oum Kalthoum wurde bereits zu Lebzeiten als Künstlerin vergöttert, und das nicht nur in ihrer Heimat Ägypten. "Über ihr steht nur der Koran", befand der Journalist Mustafa Amin. Durch die Kraft ihrer Stimme und ihres Gesangs in arabischer Sprache gelang es ihr, die Grenzen zwischen den Völkern zu überwinden. Vom ägyptischen Straßenkehrer bis zu Präsident Nasser, von arabischen Gastarbeitern in Frankreich bis zum Präsidenten de Gaulle, von Maria Callas bis Maurice Chevalier, arabischen Prinzessinnen und Bäuerinnen ebenso wie den Arbeitern bei Renault - sie vermittelte allen, die ihr zuhörten, mit der ihr eigenen Mischung aus Anmut und Leidenschaft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Stolzes. Ihr Gesang von Gott, Liebe und Heimat war der Kitt für die nationale Einheit des ägyptischen Volkes. Oum Kalthoum war eine Pionierin, die sich als Frau und Künstlerin in der orientalischen Welt durchsetzte und deren unvergessliche Stimme so auch im Westen gehört wird.(Text der Artedoku)
Im Film über Oum Kalthoum von Shirin Nesrat erfahre wir von einer Demonstration im Jahr 1914 von ägyptischen Frauen, wahrscheinlich aus der Oberschicht, für ihre Rechte. Ich war erstaunt.
Wikipedia scheibt dazu: Die Anfänge der Frauenbewegung in Ägypten gehen auf das späte 19. Jahrhundert zurück. Während die ersten Akteurinnen Frauen der Mittelklasse waren, in deren publizierten Werken sich erstmals „feministisches Bewusstsein“ in Ägypten widerspiegelte, so interessierten sich im Zuge islamischer Erneuerung (Muhammad Abduh), säkularer Modernisierung und aufkommenden Strebens nach nationaler Einheit zunehmend auch Männer für die Stellung der Frau. 1899 publizierte Qasim Amin sein Buch Die Befreiung der Frau, in dem er auf religiöser Argumentationsbasis für eine Reform der Geschlechterverhältnisse plädierte. Erste Formen feministischen Aktivismus (soziale Projekte) sind im frühen 20. Jahrhundert zu beobachten. 1911 diskutierte das ägyptische Parlament erstmals eine Proklamation der Frauenrechte, die von Malak Hifnī Nāsif verfasst worden war. Ab 1923, als Huda Scha’arawi die erste feministische Organisation Egyptian Feminist Union (EFU) gründete, begannen Frauen sich zu organisieren und drangen offensiv in die Öffentlichkeit vor.
In Shirin Nesrats Film wünschte ich mir mehr Nähe zur Person Omm Kalthoums. Ich würde gerne mehr nachempfinden können, wie sie die Menschen berührt hat, egal ob Mann oder Frau, ob jung oder alt, ob König oder Revolutionär. Der Schmelz ihrer Stimme, der die ungestillte Sehnsucht und die unerfüllte Liebe, in ihren ZuhörerInnen zum Klingen brachte und die die Liebe ins Unpersönliche, ins Spirituelle transformierte. 

Hermine Brzobohaty-Theuer | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Adresse: 1060 Wien, Windmühlgasse 14 | Tel.: +43 (01) 715 46 28