Waldviertel 9.7. Weitra-Zeitlosigkeit und Gegenwart

Weitra, eine Stadt, eigentlich Städtchen im Nordwesten des Waldviertels, an der Grenze zu Tschechien. Die Burg ist von Weitem zu sehen.  Erbaut im 1300 Jhd, dann 300 Jahre späterer in die jetzige Form erweitert. Renaissancemäßig. Ich schließe mich einer Stadtführung an. Es geht  durch das Stadttor, dann bergan durchs Burgtor in den Innenhof. Ich schaue hinauf zu den dreistöckigen Arkaden. Ein beeindruckendes Schauspiel ist die Öffnung der 4 Trichterschirme. Weiße, rießige Schirme, die orientalisch anmuten, öffnen sich langsam zu barocker Musik, wie Nachtkerzen zur Dämmerung. Nur der Duft fehlt. Bis sie dann den ganzen Hof überdecken. Über steile Holztreppen geht’s hinauf in den Turm. Das Dachgebälk- eindrucksvoll und die Glocken. Eine Sicht auf die Dächer der Stadt. Wie aus einem Historienfilm, wie vielleicht „Tintenherz“.

Ich habe etwas über die Gewerbebetriebe in der Vergangenheit erfahren. Glasschleifer waren und sind hier tätig und eine starke Textilfabrikation. Die ehemalige Modewarenfabrik ist nun ein Textilmuseum. Ich liebe Textiles und Textliches. Gehe zwischen den alten Webstühlen, Drucktischen und Stickmaschinen umher. Schaue mir die Musterbücher mit den Entwürfen und Stickereien an und die Weberschiffchen und Kammgarnmuster. Die Eisenbahn von Wien nach  Gmünd war wichtig für den Vertrieb. Vorher die Fuhrwerke, die in die Wiener Niederlassung, in die Webgasse fuhren. Bis zu 500 HeimarbeiterINnen hatte es hier gegeben. Ich erfahre etwas über die Luise Hackl, Tochter des Textilfabrikbesitzers und lese ihre Briefe . Darin lehnte sie die Heirat mit einem K. strikte ab, den sie zudringlich und widerlich fand. Sie machte dem Vater einen Strich durch die Rechnung (lese ich) der sie einschüchtern wollte und eine  „alte Jungfer“ nannte. Sie wurde später Mitglied der Sezession und arbeitet künstlerisch und schriftstellerisch.  Ab 1906 war die Firma nicht mehr betriebsfähig und schloss ihre Tore. Erstaunlich, das dass Haus so erhalten blieb. Die Lausitz rauscht vorbei. Die weiße Holzbrücke gibt es noch. Es ist ruhig hier.

Stickmusterbücher

 Luise Hackl

Waldviertel 5.7.2013

Stelle dir Hilly Billy auf afrikanisch vor. Schwierig? Das war der Einstieg beim Konzert am Freitag von Hot Water, der Band aus Kapstadt. Sie sind schräg, crazy und rhythmisch, mal Rock, mal Blues, mal Folk, und Tanzen ist dabei ein Muss. http://www.hotwater.co.za/player/south.html

 

 

Waldviertel 4.7.2013 Urgestein Granit

Ich habe Steine von meinen Streifzügen mitgebracht. Nun liegen sie aufgereiht in meinem Zimmer. Jede in ihrer eigenen Musterung. Eine ist weiß - grau- grünlich. Einer, der schwarz- weiß- bläuliche ist der Harbacher von hier und einer ist rosa, grau und weiß. Der findet sich speziell am  Nebelstein. Alle sind mit Glanz (kein Fachterminus) und Glimmer durchzogen. Steine mag ich. Schon lange. Ich nehme sie mit mir, wo immer ich bin. Im Moment mache ich die fortwährende Bekanntschaft mit dem Urgestein Granit. Eine wohlige Zärtlichkeit zieht mich an. Ich frage: Was ist mit euch? Was fließt von euch zu mir? Wärme, Weichheit und…Wissen?  Vielleicht ist es das Echo der alchemistischen Prozesse, das mich anrührt. Dieses unter höchsten Druck Hinunterpressen und Aufsteigen. Durch große Hitze aufschmelzen und sich vermischen. Durch Wind und Wasser wieder abgetragen werden. Von Muschelkalk wieder gebirgshoch zugedeckt werden um erneut durch die gewaltige Erdbewegung hochgeschoben zu werden. Und schließlich als ausgespülter Restling, nach Millionen Jahren der Verwandlung, imposant dazustehen.

 

Hermine Brzobohaty-Theuer | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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