Istanbul und Ankara 4.6.2013

Vor fast genau einem Monat bin ich in Istanbul und Ankara gewesen. In Istanbul habe ich den Flieger und die Mitreisenden gewechselt. Die zwei kleinen Buben, gegen zwei Buisnessmänner. Hauptsächlich urbane, europäisch modern aussehende Menschen flogen diese 1 ¼ Std von Istanbul nach Ankara.

Das Hotel in dem ich wieder wohne liegt in der Altstadt und 5Min vom Archäologischen Museum entfernt. Der Aufenthalt unserer Gruppe in Ankara war  mit Museumsbesuch, Zugfahrkarte besorgen, Umgebung erkunden, in Andenkengeschäften und im Bazaar stöbern ausgefüllt. Die Begegnungen waren meist freundlich (Museumsdirektor, Archäologen, Fahrscheinverkäufer, die junge Frau am Bahnhof, Gözlemeköchinnen), manchmal mit der männlichen Bevölkerung in leichte Reibung (Hotelmanager, Taxifahrer). Im Großen und Ganzen ziemlich „normal“, mit der Hektik des Großstadtverkehrs und dem kleinen Gemüsemarkt, den häkelnden Frauen vor dem Hotel, dem Romafest am Abend. Das was jetzt in Ankara passierte, diese massive Protest gegen die Regierung Erdogan, konnte ich höchsten als Streifen am Horizont erahnen. Viele Berichte sind jetzt im Internet unterwegs. Ich kann mich informieren. Berichte von Türkinnen und Türken vor Ort, die erzählen wie es zur Zeit für sie ist und wie die Proteste entstanden sind. Die Kommentare der LeserINnen zu diesen Berichten sind meist mitfühlend und anerkennend. Über Filme und Fotos kann ich mir ein Bild machen. Meist sind jüngere Menschen zu sehen, doch auch Kinder und Ältere. Es sind ungewöhnliche Aufnahmen. Ich bin in den 80er Jahrenn auch beim Demos gewesen. Die Konfrontationen mit der Polizei waren manchmal bedrohlich, es gab die Gefahr der Eskalationund das es Prügel gibt. Später waren die Protestgänge, beispielsweise zum Frauentag relativ ruhig. Die Fotos aus der Türkei zeigen junge Menschen in Bewegung, maskiert, bemalt. Sie zeigen Tränengas- und Wasserwerferangriffe, sie zeigen die Solidarität der Bevölkerung mit den AktivistINnen. Sie zeigen wie gemeinsam der Müll aufgesammelt wird, wie ein Hund nach Tränengas versorgt wird, wie Frauen Essen bringen. Ein älteres, eher bäuerlich aussehendes Ehepaar geht nahe beieinander beim Protest mit. Die Fotos zeigen dass das eine ureigene Auflehnung ist, lebensnah und notwendig und von vielen Schichten mitgetragen. Auf den Reisen in die Türkei, nach Anatolien habe ich mich immer wieder erfreut über die Begegnungen mit den Kindern und jungen Leuten. Es hatten uns Scharen von Kindern in den Museen bestürmt.  Lebendig und neugierig: “What is your name?“

Diesmal treffen wir in Konya junge Leute aus einem Sozialgymnasium. Sie sprechen gut Englisch, wollen wissen was wir hier machen, wir  lachen, haben Missverständnis über das Wort Schildkröte. Sie wollen gar nicht gehen als die Lehrerin ruft. Sie vermitteln mir: uns gehört die Zukunft und wir sind die Zukunft! Das sind die, die jetzt auch auf die Strasse gehen.

In Egirdir im Seenplateaux beäugen mich zwei Mädels beim Qui Gong. Sie fragen was ich mache. Große dunkle Augen, adrett in ihrer Schuluniform mit weißer Bluse und Faltenrock. Kichern und Erstaunen als ich über Schattenboxen rede. Sie wollen lieber mit mir Tratschen als nach Hause zu gehen. Pat, die Reisejounalistin übersetzt. Wir stehen am Rand des milchigen Sees, dahinter die Berge mit Schneeflecken. Es sind so andere Begegnungen mit türkischen Menschen in dieser Rolle der Reisenden. Ich bin im besten Fall Gast und oft auf die Freundlichkeit und Bereitwilligkeit angewiesen. Und die wird auch oft gegeben. Heartwarming Images from the Turkish Resistance http://imgur.com/a/JvJD3

Weinviertel 2.Juni 2013

Das Viertelfestival führt mich an die Grenze. Gegenüber von Ottenthal liegt Mikolov und die Pöllauerberge mit Dolni Vestonice. An der Kunst- und Verbindungsinstallation "Schiffschaukel", die über die Grenze hin und her schaukelt, haben vor allem die Kinder ihren Spass. Jetzt geht es so leicht, dieses wechseln über die grenze. Das berührt nich nur mich. Vielleicht sind ehemalige Vertriebene hier.

Die Hügel und Himmel sind prächtig. Wolkendurchbrechende Sonnenstrahlen. Ich muß ins Mohnfeld. Violett und lila und grün in allen Tönen.

 

Der erste Kreis in Ankara

Oben auf der Zitadelle, steil hinunter zu den teils schon baufälligen und verlassenen Cecekondus, die von der arbeitssuchenden Landbevölkerung über Nacht errichteten einfachen Häusern. Romafamilien leben teilweise hier. Doch die Renovierung dringt in das alte Stadtviertel vor. Hatte mich später darüber mit Pat, einer englischen Reisejournalistin, die schon 17 Jahre in der Türkei lebt darüber unterhalten. Ist alles sehr komplex. Das alte Viertel wird mehr zu Disneyland. Ein Haus schaut wie das andere aus. Hat jetzt funktionierende Fenster und Sanität, doch keine Individualität mehr. Die MietbewohnerINnene werden teils 10 km weit weg angesiedelt. Weit weg von ihrem vertrautem Milieu. Auch im Angora House hat sichs verändert, ein smarter, unterkühlter Manager rückt keinen Millimeter ab von am Telefon gemachten Vereinbahrungen.

schon beim Essen auf einer Terasse im Altstadtviertel hören wir die starken und rhythmischen Trommeln und Flöten, Feuerwerkskörper werden abgeschossen, ein Fest der Rom. beim Nähergehen kommt mir "Hos geldiniz" entgegen, erfahre später,  das heißt - Willkommen!

Hermine Brzobohaty-Theuer | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Adresse: 1060 Wien, Windmühlgasse 14 | Tel.: +43 (01) 715 46 28