Wien 2.01.2013

Ein paar fiebrige Sätze, zwischen Schlafen, Schwitzen, Abtruddeln. Die Katzen machen einen Bogen um mich. Ihnen ist das Gebelle nicht geheuer. Mit “Smilla“ fahre ich auf der Kronos, einem 4000 Tonnen Eisbrecher von Kopenhagen aus ins Eismeer, Richtung Grönland. Kälte, Eis, Nässe, Bedrohung.

 

Irgendwer fragt Smilla; warum machst du das? Und Smilla, "ich will den Tod eines kleinen Jungen verstehen !"

Wien, 31.12.2012 Silvestra

Auch heute ist die Fensterbank wieder besetzt, die Ohren gespitzt, sowieso, und die ganze Aufmerksamkeit gilt den Dingen da draußen, wie sich bewegende Blätter, Sonnenreflektierungen, Schatten, ein Vogel - wow.

Ich beobachte von meinem Rekonvaleszenzplatz die beiden Beobachterinnen Tigris und Tibor. Der bellende Husten ist etwas gemildert.

Gedanken über die Gespräche mit Freundinnen über die brutale Gewalt gegen Frauen in Wien und an anderen Orten. Was will ich mir, meinen Freundinnen, Schwestern, Töchtern, Enkelinnen und anderen Frauen raten? Wie können wir, sie sich am besten schützen, sich sichern? Wir haben über Haltungen in der Öffentlichkeit gesprochen, über das Bewusstsein an einem öffentlichen Ort Strategien der Absicherung parat zu haben. Die können von Frau zu Frau unterschiedlich sein, jedoch Achtsamkeit braucht es in jedem Fall und Kontakte zu andern Frauen, Personen, Menschen. Ich denke, dass meine, unsere persönliche Wehrfähigkeit von wesentlichen Nutzen ist. Wenn ich mir zutraue mich zu  wehren, laut zu sein, zu pfeifen und zu rufen vergrößert sich mein Energiefeld, der Radius der Unterstützenden. Wendo ist wieder aufzufrischen, damit Reflexe ablaufen können, Pfefferspray, Trillerpfeife. Große Wertschätzung an die Frau, die einer anderen in der U Bahn beigestanden hat und zusammengeschlagen wurde. Ich wüsste gerne, wie es ihr geht.

 

Wien 30.12.2012 Frau Holle

Blauer Himmel, im Haus gegenüber Frau Holle mit Tuchent. Ich lese weiter bei „Smilla“. Habe gestern meine Bilder durch den Film ergänzt. Mir gefällt die Smilla von Julia Olmont. Frech, rücksichtslos, auch mit sich selbst. Sie mutet sich Unbegrenztes zu, auch wenn ihr die grauenvolle Bedrohung des Eingesperrtseins droht. Schön eine der Schlussszenen, wo sie in Gela Alta in Grönland, alleine über den Schnee, zielgerichtet zwischen den Eisbergen geht.   Sonst: Schleimhäute strapaziert, Lungen eng, Hals nur wenig kratzig. Etwas Mango zur Erfrischung. Trotz des Datums noch ruhig draußen. Tigris auf der Fensterbank beobachtend.

Hermine Brzobohaty-Theuer | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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