Wien 23.2.2019 Filmcafe mit den Mosuo


23.2.10.2019 Reflexion des Film Cafés
„Wo die freien Frauen wohnen“ von Madeisky, Margotsdotter und Parr
Wir haben wieder Film geschaut. Den ersten Film des Dreierzyklus. Zusammen macht es Spass. Im Austausch nach dem Film wird immer wieder ausgedrückt, wie wohlig das Zusammenleben des Radar Clans wirkt. Zusammenarbeiten, zusammen feiern.
Mir fiel im Lied der Cousins von Sadama die Liedzeile auf: „Meine Kindheit war voll Gold“. Wer kann das schon von der eigenen Kindheit sagen?
Bemerkenswert und nicht so selbstverständlich finde ich auch die Haltung der Frauen beim Höhlenbesuch auf dem Berg Ganu. Ins Innere, zur Quelle, bringen sie der Göttin Blumen und Geschenke mit und sind sich gewiss, dass kein Gegengeschenk erwartet wird, weder an die Göttin noch an Menschen.
Die kluge Freundin, die mit dem Schmuckgeschäft, mit der sich Sadama in der Stadt trifft um auch sie um Rat zu fragen, fiel mir auch auf. Auch sie wirkt entspannt beim Gespräch über Sadamas Zukunft. Was wird Sadama tun, wenn sie nicht mehr im Tourismusbüro arbeitet?
Einer Zuseherin imponiert, dass Sadama wieder ins Dorf zurückgeht, sich nicht unter Druck setzen lässt.
Eine andere Zuseherin: „Die Großmutter steht im Zentrum. Alles fließt zu ihr und geht von ihr weg. Nicht nur Würde. Sie hat die Fäden in der Hand.“  Ich denke, dass uns allen, besonders in diesem Augenblick, der Unterschied zu unserer Gesellschaftsstruktur klar ist. Die Bestimmungs- und Gestaltungsmacht liegt mit der Ökonomie in der Hand der Großmutter, denn über Land und Hausbesitz bestimmt sie.
Ein bemerkenswerter und sehr junger Zuseher fragt, wie weit die Mosuo von den Touristen abhängig sind. Würden sie auch ohne Touristen ihre Rituale weiterführen? Ich war mir nicht sicher ob ich ihn richtig verstanden habe, mit: „Können die Mosuo ihre Tradition ohne die Touristen aufrecht halten?“
Und da fielen mir die Hopi/die Pueblo (New Mexico) ein und ich wollte ihm erzählen, dass die Tradition durch das Interesse von außen, dass der Touristen, wieder enorm angeregt wurde. Vorher interessierten sich die jüngeren Leute des Dorfes in den Pueblos wenig für die traditionellen Feste und Tänze. Ein paar Menschen kamen zu den traditionellen Jahreszeiten und Maistänzen zusammen. Erst durch das Interesse der Touristen kamen immer mehr Pueblo Leute, auch manche, die übers Jahr irgendwo anders leben, wieder ins Pueblo zu den Festen, um zu feiern und zu tanzen. Das bewirkte, dass auch wieder mehr Indigene sich in den Dörfer wieder sesshaft machten. Von Pojaque, dem Dorf in dessen Nähe das Felicitas D.Goodman Institut liegt, weiß ich, dass den Rückkehrern Land gegeben wurde. Die Region nahm wirtschaftlichen Aufschwung. Viele Indigene eröffneten ein Business. Zum Bürgermeister wurde ein junger indigener Bildhauer gemacht.
Einigen ZuseherInnen hat die Fröhlichkeit und das Ungezwungene sehr gut gefallen, das miteinander scherzen und sich übereinander lustig machen, ohne beleidigend zu sein.
Denn immer wieder wird deutlich im Film, dass den Menschen am Lugo See das Wohlergehen der anderen ganz wichtig ist.
Ein schönes Zusammenkommen war das wieder, hier im Begegnungsraum.  Am 23.März schauen wir:  "Die Töchter der sieben Hütten", über die Khasi und den Clan der Masaar in Nordwestindien.

Wien 27.2.2019 Lore Heuermann

Vernissage in der Kleinen Galerie in Wien Landstrasse. Die vielseitige Künstlerin feiert ihren 82. Geburtstag. Schon in den 70er Jahren hatte sie erfolgreich in der Kleinen Galerie ausgestellt. Heute sind Blätter, meist aus handgeschöpftem Papier, zu sehen, die mit einer Art Code bemalt sind. Strichfiguren in unterschiedlichen Bewegungen. Tanzcode nennt das Lore Heuermann. Es wirkt japanisch. Dort hatte sich Lore Heuermann auch aufgehalten. In ihren wunderschönen Büchern sind Fotos zu sehen, bei denen Papierbahnen von der Decke hängen und manchmal auch Kreisformen bilden. Lore Heuermann erzählt von ihrem Werdegang. Dass sie es als Frau nicht leicht hatte.  „Kunst von Frauen kaufen wir nicht“, bekam sie zu hören. Sie ist dennoch ihren Weg gegangen. Das beeindruckt. Jetzt bei den frauenfilmtagen ein Film über 5 Künstlerinnen, darunter Lore Heuermann: "Sie ist der andere Blick" von Christiana Perschon.
 

Wien 14.2.2019 Coatlique


COATLIQUE
, die mit dem Schlangenrock.
Allen Rituellen Körperhaltungen ist gemein, dass sie eine verstärkte Körperwahrnehmung vermitteln. Dabei wird Energie aktiviert bei der sich die Atmung vertieft, das Herz klopft, Schweiß bricht aus. Die Teilnehmenden bei den Trancen beschreiben es jedes Mal. In den Blutuntersuchungen der Uni München und Wien ist zu sehen, dass die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschieden werden und Beta-Endorphine aktiviert werden. Felicitas D. Goodman schreibt in ihren Büchern über die „Süße“ des Erlebens. Die Beschreibung der Süße und Seligkeit kennen wir auch von anderen SchriftstellerInnen, die über mystische, ekstatische Erlebnisse berichten.
In ihrem 1988 veröffentlichten Buch „Wo die Geister auf den Winden reiten“ Beschreibt Felicitas Goodman die unterschiedlichen Wirkweisen und Richtungen der Haltungen. Aber  alle sind sie Heilhaltungen. Wollen das Beste für uns, sei es körperlich, geistig und seelisch. Und dazu noch, als Krönung, wird unsere Beziehung zur Anderswelt, zur außergewöhnlichen Wirklichkeit, zur Welt der Geister möglich gemacht.  Felicitas D.Goodman hat die Türe zu dieser Welt für uns westlich sozialisierte Menschen geöffnet.
Mit der an sich einfachen Struktur des „Rituals nach Goodman“, wie Giselher Guttman  es nennt, können wir den physiologischen Schalter umlegen und in das Reich der Sinne und Potentiale eintreten.
Ich selbst erlebte dieses Eintreten in den ersten Trancen mehr wie ein Hineinfließen. Unter dem Spalt einer Türe floss ich durch und erlebte die Abenteuer.
Durch die jahrelange Forschung hat sich der Kanon der Körperhaltungen erweitert. Unser Blick dafür hatte sich geschärft. Gerne entdecken die FreundInnen der Körperhaltungen in Museen und Kunstkathalogen ungewöhnliche Körperhaltungen und erforschen sie experimentell. Der mittelamerikanische und mexikanische Raum war schon von Beginn der Wiederentdeckung an eine Fundgrube. Felicitas D. Goodman und Belinda Gore untersuchten sie mit ihren KursteilnehmerInnen. Mir hat es die Coatlique, die Aztekische, die mit dem Schlangenrock, angetan. In einer Trance in dieser Haltung hatte ich die tiefe Überzeugung, wenn die Haltung ganz präsent verinnerlicht wird, jede Person, sich stark und eigenmächtig fühlt. Es kann nichts (Schlimmes) passieren. Schon der Gedanke daran ist fremd, ist im Grunde gar nicht da. Eine Welle voll Freude durchdrang mich und mein Körper wollte sich kraftvoll bewegen. Ein agredere Zustand, ein drauf los gehen und zupacken, ein Empfinden von Stärke und Lust, ein stark verwurzelt sein. Die Coatlique ist die Erdmutter, die Creatrix, wie die Archäologin Marija Gimbutas die Frauenfiguren der Jungsteinzeit nennt. Sie sind die, die um den Kreislauf des Lebens mit Entstehen, Wachsen, Sein und Vergehen und Wiederkehren wissen und gestaltend wirken. 

Hermine Brzobohaty-Theuer | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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